Das Heute ist der ideale Zeitpunkt um sich einzubringen.
Baukultur.jetzt!

Identifikation, Kommunikation, Partizipation

Über sinnvolle Änderungen in der Planungskultur

Der Gestaltungsbeirat soll die Erfüllung von Qualitätkriterien für Baukultur sicherstellen. Diese sind eng mit der Partizipation ihrer Nutzer*innen verwoben - mit Bürgerbeteiligung. Exzellente Partizipation muss integraler Bestandteil stadt- und ortsgestalterischer Prozesse werden, nur so kann man die Zustimmung der Bürger*innen ernst nehmen und einbeziehen!

Gestaltungsbeirat der Stadt Salzburg
Dem 1983 ins Leben gerufenen Gestaltungsbeirat der Stadt Salzburg obliegt die Begutachtung von Bebauungsplänen der Aufbaustufe und Großprojekten. Ausgenommen ist nur der Bereich der Altstadtschutzzone. Das unabhängige Expertengremium besteht aus Fachleuten aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung und wird vom Gemeinderat für jeweils 3 Jahre bestellt. Die Sitzungen finden alle 2 Monate statt und werden grundsätzlich öffentlich abgehalten. Interessierte Bürger können den öffentlichen Teilen der Sitzung als Zuhörer beiwohnen. Betroffen sind Bauvorhaben mit einer Bruttogeschoßfläche über 2.000 m² oder einer Baumasse über 7.000 m³ bzw. über 15.000 m³ in Gewerbe- und Industriegebieten. Mit Zustimmung des Bewilligungswerbers kann die Begutachtung durch den Gestaltungsbeirat auch in anderen Fällen erfolgen.

Baukultur beschreibt die Summe menschlicher Leistungen natürliche oder gebaute Umwelt zu verändern. Anders als die Baukunst beinhaltet die Baukultur sämtliche Elemente der gebauten Umwelt. Baukultur geht über die architektonische Gestaltung von Gebäuden weit hinaus und umfasst beispielsweise auch den Städtebau und die Ortsplanung, die Gestaltung von Verkehrsbauwerken durch Ingenieure sowie insbesondere natürlich auch die Kunst am Bau und die Kunst im öffentlichen Raum. Als erweiterter Kulturbegriff stützt sich die Identität der Baukultur auf die Geschichte und Tradition eines Landes oder einer Region. Das Thema betrifft nicht nur professionelle Planer, sondern alle Menschen, da sie mit gebauter Umwelt konfrontiert sind. Auch die Verantwortung für die Qualität der gebauten Umwelt liegt nicht allein bei den Fachleuten, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche.
Quelle: Wikipedia

Partizipation
Sie bedeutet Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung, Mitsprache, Einbeziehung an/in Entscheidungs- und Willensbildungs-Prozessen. Aus Gründen der Emanzipation, der Legitimation oder auch einer gesteigerten Effektivität wird Partizipation häufig als wünschenswert erkannt und angewandt. Partizipation kann die unterschiedlichsten Beteiligungsformen annehmen, so beispielsweise als Bürgerbeteiligungsverfahren. Partizipation gilt als gesellschaftlich relevant, weil sie zum Aufbau von sozialem Kapital führen kann und soziales Vertrauen verstärkt.



Daher sind Bürgerbeteiligungen städtischer Projekte und Großprojekte von privaten Bauherren per Gemeinderatsbeschluss verbindlich festzulegen, zu einem wirksamen Teil der Planungsprozesse zu machen – z.B. nach dem Vorbild des in der Dimension vergleichbaren Heidelberger Bürgerbeteiligungsmodells – einem von Fachleuten begleitetem Dialog zwischen Stadtpolitik, Stadtverwaltung und Bürger*innen.

Baukultur beschreibt die Vielfalt menschlicher Leistungen, ihre natürliche oder gebaute Umwelt zu verändern. Sie umfasst Architektur, Städtebau, Landschafts-, Orts- und Raumplanung, die Gestaltung von Infrastrukturbauten, Kunst im öffentlichen Raum und vieles mehr.

Die Identität der Baukultur fußt auf der Geschichte und Eigenlogik eines Ortes, einer Region oder eines Landes. Die Verantwortung für die Qualität gebauter Umwelt liegt nicht allein bei Politik, Verwaltung und Fachplanung, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche.

Wofür steht eine Stadt, die wie die Gesellschaft, die sie belebt, ständigem Wandel ausgesetzt ist? Wofür steht ein Stadtteil, ein Straßenzug, eine Restfläche im urbanen Kampf um Aneignung nutzbarer Räume? Glauben wir im Jahr 2016 mit all unseren Erfahrungen der letzten Jahrzehnte immer noch an ein „Erfolgsmodell - Investor - Politik - Verwaltung“?

Ebenso kann man diesen gesellschaftspolitisch relevanten Mitbestimmungs- und Gestaltanspruch auf andere Dimensionen, wie beispielsweise die Freiraum- und Stadtgestaltung, übertragen.

Bürger*innen sind Expert*innen ihres Umfeldes. Sie kennen die Nischen, Pfade, Wege, die Besonderheiten ihres Umfeldes, sowie des öffentlichen und halböffentlichen Raums. Sie wissen, wie ihr Ort oder Stadtteil „tickt“, sie kennen seine Stärken und Schwächen. Sie verbinden Werte mit den Gestalträumen und deren Nutzungen. Kinder und Jugendliche beispielsweise erfüllen in kreativer Weise die von Erwachsenen unbesetzten Orte mit faszinierendem Eigenleben.

Die aktuell in Salzburg üblichen „Bürgerbeteiligungen sind im Wesentlichen Bürgerinformationen. Werden Beteiligte nur per Informationsveranstaltungen über aktuelle Planungen oder Entscheidungen ihrer Lebensräume informiert, ohne selbst Einfluss nehmen zu können, ist dies eine nahezu wertlose Einweg-Kommunikation, die der Komplexität Stadt nicht gerecht wird. Können die Beteiligten durch Konsultation zu einem Entwurf oder einer Frage Stellung nehmen, ist eine etwas konstruktivere Zweiweg-Kommunikation gegeben, die in der Praxis jedoch nicht die Potentiale der Bürgerschaft abzuschöpfen vermag, die der Aufgabe Stadtgestaltung im Detail gerecht werden.

Erst eine Mehrweg-Kommunikation ermöglicht durch gelebte Kooperation ein miteinander Entwickeln durch ausreichend gemeinsam vertieftes Arbeiten an ausreichend komplexen Fragestellungen. Die Beteiligten bereichern dabei den Planungsprozess durch eine strukturierte, professionelle Prozessbegleitung. Zum rechten Zeitpunkt an den richtigen Themen gemeinschaftlich zu arbeiten, macht engagierte Bürger*innen zu Akteur*innen ihres eigenen Umfeldes. Lokale Potenziale können erkannt, offensichtliche und weniger sichtbare Qualitäten beschrieben und benannt, Schätze gehoben werden.

Exzellente Partizipationsprozesse arbeiten mit Perspektivenwechsel aller daran Beteiligten und werden durch eine bewusst gewählte Vielfalt an Akteur*innen wertvoller und umsetzbarer. Bürger*innen, auch noch nicht Wahlberechtigte, wie Kinder und Jugendliche, gehören dazu, Vertreter*innen von Unternehmen und Organisationen vor Ort - wie Kammern, Anwartschaften und NGOs - sowie die Fachöffentlichkeit, Verwaltung, politische Vertreter*innen arbeiten gemeinsam – sorgsam begleitet von Prozessbegleiter*innen – barrierefrei an einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Stadtgestalt.

Bürgerbeteiligung fördert das Gemeinwohl, stärkt das Vertrauen in die demokratischen Institutionen erhöht die Zufriedenheit mit der Funktionsweise der Demokratie und Verwaltung. Exzellente Partizipation muss integraler Bestandteil stadtgestalterischer Prozesse werden.

Textauszug aus dem offenen Brief vom 15.06.2016 an den Planungsausschuss der Stadt Salzburg. Sinnvolle Veränderungen in der Planungskultur ist ein Positionspapier der Initiative Um+Bau+Kultur Salzburg – Strategien für eine Stadt. Die überparteiliche Experten-Initiative „Um+Bau+Kultur Salzburg – Strategien für eine Stadt“ beschäftigt sich mit problematischen Verfahren in der Stadt Salzburg.

Weiterführende Links:
Gestaltungsbeirat der Stadt Salzburg

Merkursiedlung – quo vadis?

Die 2000-Watt-Gesellschaft